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Redispatch 2.0
Eine Redispatch-2.0-Erfolgsstory – Anlagensteuerung in Echtzeit funktioniert
Seit dem 1. Oktober erfolgt die Anlagenauswahl der Netzbetreiber gemäß Redispatch 2.0. Die neue Abschaltreihenfolge berücksichtigt Sensitivitäten, kalkulatorische Kosten und Mindestfaktoren. Das Wichtigste auf einen Blick.
Am 1. Oktober war der mit großer Spannung erwartete Go-live: An diesem Freitag hat der Redispatch 2.0 das Einspeisemanagement im Verteilnetz ersetzt, um Abregelungsprozesse künftig kostengünstiger gestalten zu können. Ein Schlüsselelement dieser Umstellung ist die Integration der erneuerbaren Energien, die einen immens steigenden Koordinationsbedarf aller Akteure untereinander sowie eine neue Dimension der Komplexität mit sich bringt. Gerade in der jetzigen Phase spielt die Anlagensteuerung in Echtzeit (ASE) als zusätzliche Komponente im Leitsystem und als Schnittstelle zum Redispatch-System eine zentrale Rolle.
Kombination aus Kosten und Sensitivitäten löst EE-Einspeisevorrang ab
Im früheren Einspeisemanagement gab es feste, nach ihrer Priorität gestaffelte Gruppen. Durch den Einspeisevorrang von EE-Anlagen mussten konventionelle Kraftwerke – wenn möglich – immer zuerst abgeregelt werden. Seit Oktober entfällt diese Regelung: Der Algorithmus im Leitsystem für die Auswahl der betroffenen Anlagen bei Maßnahmen in Echtzeit wurde umgestellt. Fortan spielt eine Kombination aus Sensitivitäten und Kostenaspekten die tragende Rolle, welche Anlagen in Zukunft bevorzugt abgeregelt werden. Das Redispatch-System entscheidet nach kurzer Bewertung der erforderlichen Maßnahme, ob eine Wind-, PV-Anlage oder doch das konventionelle Kraftwerk abgeregelt wird. Das passiert im Zusammenspiel mit der jeweiligen Wirkung der Anlage auf den Engpass, der sogenannten Sensitivität, und nach dem Kriterium des Preises automatisch. Dadurch sollen Kosten, die volkswirtschaftlich bei diesen Eingriffen entstehen, mittelfristig deutlich gesenkt werden.
Zentrale Rolle der ASE im Übergang
Durch die Tatsache, dass das ASE-Modul rechtzeitig zum Go-live einsatzfähig war, konnte der Prozess am 1. Oktober aus Steuerungssicht sowie in puncto Auswahl der Anlagen überhaupt erst gestartet werden. Und das, obwohl die Hintergrundinformationen von den Marktpartnern dem System zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig zur Verfügung standen. Als Datengrundlage hierfür dienten in der Regel die Basisdaten, in den meisten Fällen die kalkulatorischen Kosten, die im Leitsystem eingepflegt wurden. Für die Abrechnung in der Folge des Eingriffs kann bereits die Dokumentation übergeben und in Form von exportierbaren Berichten bereitgestellt werden.
Kurativer Redispatch
Im Duldungsfall, wenn also Verteilnetzbetreiber die Steuerhoheit innehaben, werden Anlagen auch künftig direkt aus dem Leitsystem über das ASE-Modul gesteuert. Alle Betreiber der technischen Ressource werden ebenfalls wie im Duldungsfall behandelt, wenn ein Notfall eintritt – zum Beispiel, wenn das Redispatch-System einmal fehlerhaft prognostiziert hat, die Prognose falsch ist oder eine andere Störung vorliegt. Für diese Sondersituationen behalten sich die Verteilnetzbetreiber auch weiterhin vor, kurativen Redispatch zu betreiben, also die Anlagen direkt aus der Leitstelle heraus zu steuern. Jetzt und in Zukunft erreicht man dies mit den neuen ASE-Funktionen und neuen Prioritäten bei der Auswahl der Anlagen. Angesichts der aktuellen Gemengelage sollten alle am Redispatch 2.0 Beteiligten generell ermutigt werden, sich mit offenen Fragen an die Netzbetreiber zu wenden. In vielen Bereichen gibt es in nächster Zeit noch einiges zu tun.
Fazit
Es ist ein motivierendes Zeichen für alle anderen Netzbetreiber, dass das ASE-Modul pünktlich zum Go-live funktionstüchtig und auch einsatzfähig war. Die entsprechenden Funktionalitäten sind vorhanden. Das heißt, es geht in den Prozess – auch wenn dieser derzeit noch reduziert läuft. Die E.ON-Gruppe ist somit in der Lage, die Übergangslösung der Bundesnetzagentur zu bedienen. Dass auf dem Weg alle Entwicklungsarbeiten rund um die Anlagensteuerung in Echtzeit unterm Strich so erfolgreich verlaufen sind, liegt auch daran, dass mit dem ASE-Modul auf jeder Menge Erfahrung aufgebaut werden konnte.
