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Energiewende

Herausforderungen und Lösungsoptionen für die Hochspannungsebene

Mit dem Ausbau der Stromnetze und der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien (EE) kann eine erfolgreiche Energiewende gelingen. Die Umsetzung stellt Netzbetreiber wie die E.DIS Netz jedoch vor große Hürden. Gemeinsam mit E-Bridge Consulting hat E.DIS die zentralen Herausforderungen analysiert und konkrete Lösungsansätze entwickelt.

In keiner Region der Welt herrscht eine so hohe Konzentration an installierten Leistungen auf Basis erneuerbarer Energien (EE) im Verhältnis zur maximalen Verbrauchslast wie im Gebiet der E.DIS Netz. Das Unternehmen hat bereits in der Vergangenheit über 50.000 EE-Anlagen ans Netz angeschlossen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. In manchen Regionen übersteigt die Leistung an EE-Anlagen bereits jetzt die maximale Verbrauchslast um den Faktor 100. Zu den EE-Hotspots gehören beispielsweise die Landkreise Uckermark und Prignitz.

Nachfrage nach EE-Anlagen steigt
Seit dem Jahr 2020 steigt die Nachfrage nach neuen EE-Anlagen enorm. Bis zum Jahr 2019 lag der Wert der beantragten EE-Leistungen bei unter 20 Gigawatt (GW). Im Jahr 2019 stieg der Wert dann auf 30 GW und seit Beginn 2020 sogar auf 60 GW. Zu diesen beantragten Leistungen zählen größtenteils Solaranlagen, aber auch Windanlagen wurden vermehrt angefragt. 11,2 GW Leistung an EE-Anlagen installierte die E.DIS Netz bereits. Das Problem: die maximale Verbrauchslast liegt nur bei 2,3 GW. Und obwohl die E.DIS Netz in den vergangenen zehn Jahren mehr als 400 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen errichtet hat, deckt das noch nicht den bestehenden Bedarf. Gemeinsam mit E-Bridge Consulting hat E.DIS Netz sich den zentralen Herausforderungen gestellt und konkrete Lösungsansätze entwickelt.

Zentrale Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze
Grundsätzlich herausfordernd ist die sehr hohe Nachfrage nach Anschlussmöglichkeiten für neue EE-Anlagen. Sie übersteigt bei weitem die bestehenden Netzkapazitäten. Weitere Netzverstärkungen sind kaum realisierbar. Die Lösung des Problems steckt in der Weiterentwicklung der heutigen Netzanschlussregelungen. Ein drastisches, aber wirksames Mittel um Überlastungen entgegenzuwirken: Die temporäre und gebietsbezogene Aussetzung der Netzanschlusspflicht für zusätzliche Erzeugungsanlagen in Hochspannungsabschnitten, in denen ohnehin schon Engpässe bestehen. Eine weitere Möglichkeit ist der Redispatch-Vorbehalt. Hierbei wird der Fokus auf Anlagen gelegt, die freiwillig und bewusst in einem Engpassgebiet errichtet wurden. Im Fall einer Überlastung kann es zu einem vollständigen oder teilweisen Verlust des finanziellen Ausgleichs kommen.

Die zweite Herausforderung bezieht sich auf die fehlende räumliche Steuerung neuer und künftiger Netzanschlüsse. Denn in schon bestehenden Hotspots existiert ein stetiger Zubau neuer EE-Anlagen. Das hat zur Folge, dass sich die Netzsituation im Hochspannungsnetz weiter verschärft. Lösen könnte man dies, indem Einspeisern bei der Standortwahl finanzielle Vorteile geboten werden. Durch diese Boni lassen sich Ansiedlungsanreize setzen, die positiv mit den Netzkapazitäten korrelieren.

Die nächste Hürde stellen fehlende Ressourcen in Landesgenehmigungsbehörden dar. Für schnelle Netzausbauverfahren mangelt es den zuständigen Planfeststellungsbehörden an technischer und digitaler Ausstattung. Außerdem sorgen Personalengpässe für verspätete Verfahrenseröffnungen, Zeitverluste und weitere Effizienzeinbußen beim Ausbau erneuerbarer Energien. Das Personal muss behördenintern ausreichend verstärkt werden. Zudem sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Verfahren zu digitalisieren. Eine weitere Lösung, um kurzfristige Engpässe schneller überbrücken zu können, ist die Nutzung projektbezogener Unterstützung durch externe Fachkräfte und Projektmanager.

Als letztes wurden die fehlenden Standards in der Genehmigungspraxis analysiert. Denn ohne klare, verbindliche und zielführende Verfahrensstandards drohen zusätzliche Zeitverluste für den Ausbau des Hochspannungsnetzes. Auch hier liegt die Lösung nah: Die Erstellung von Best Practice in der Planfeststellung und Leitfäden zur Zusammenarbeit mit Behörden. Mit diesen Anleitungen kann die Durchführung von wiederkehrenden Prozessen vereinfacht und standardisiert werden. Dazu zählen beispielsweise die Bearbeitung von eingegangenen Meldungen oder der Einsatz digitaler Verfahren. Mit einem geringen konzeptionellen Aufwand können so Planbarkeiten und Verbindlichkeiten für die E.DIS Netz selbst und für alle Stakeholder erhöht werden.

Fazit
Die Anzahl an EE-Anlagen in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen. Um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Anteil der erneuerbaren Energien nochmals deutlich wachsen. Zur Nutzung der erzeugten Energie sind ausreichende Kapazitäten auf der Hochspannungsebene notwendig. Nur dann kann der Strom in die Verbrauchsregion transportiert werden. Das Tempo des Netzausbaus muss also synchron zum Ausbau der erneuerbaren Energien laufen. Das Ziel ist klar: Die Energiewende zu einem ökologischen und ökonomischen Erfolg zu machen und gleichzeitig die hohe Versorgungssicherheit in Deutschland beizubehalten.